Reisebericht Rumänien August 2021

Der 12. August 2021 stellt ein wichtiger Tag in der Geschichte von Astra-Tours dar. Lange existierte unser Reisebüro vor allem in unseren Köpfen – wir diskutierten über mögliche Reiseideen, praktische Ausgestaltungen und “Philosophie” des Reisebüros. Es brauchte eine Wanderreise ins winterliche Oberengadin im Januar 2021, um endlich den konkreten Entschluss zur Durchführung einer geführten Reise im Sommer 2021 zu fassen. Mögliche Reisedestinationen hatten wir genug, aber schlussendlich fiel unsere Wahl auf Rumänien (Siebenbürgen). Die monatelangen Vorbereitungen fanden am 12. August um 21 Uhr ihr vorläufiges Ende, als sich unsere zehnköpfige Reisegruppe am Zürcher Hauptbahnhof traf. Und das langerwartete Abenteuer konnte beginnen.

Budapest – 13. August 2021

Unsere Reise startete so, wie wir am liebsten alle Reisen beginnen würden, nämlich mit einer gemütlichen Nachtzugfahrt von Zürich nach Budapest. In den komfortablen Vierbettabteilen konnten sich die sich noch nicht bekannten Reisenden schon bestens kennenlernen und die letzten Reiseinformationen übermittelt werden. Die morgendliche Ankunft am wunderschönen, im Neorenaissancestil erbauten Budapester Ostbahnhof (keleti pályaudvar) war an sich schon ein Highlight, jedoch bloss die erste Sehenswürdigkeit an diesem programmreichen ersten Reisetag. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es in die Budapester Innenstadt. Zuerst sahen wir uns die Grosse Synagoge und den Holocaust Memorial Park an, wo die Reiseleitung einen kurzen Exkurs zur jüdischen Geschichte der Stadt vortrug. Durch das ehemals jüdische Viertel ging es anschliessend weiter zur St. Stephansbasilika und zum Freiheitsplatz, wo wir eine frei zugängliche, von kritischen Stadtbewohner*innen gestaltete Ausstellung zur Rolle Ungarns im Zweiten Weltkrieg besuchten. Nach einem Abstecher zum grössten Parlament Europas und einer von allen herbeigesehnten kurzen Tramfahrt nahmen wir unser Mittagessen in einem bekannten Fischrestaurant (Horgásztanya Vendéglő) nahe der Donau im Budaer Stadtviertel ein. Nach dem anstrengenden Morgenprogramm kam am Nachmittag die Belohnung: Gemeinsam entspannten wir uns in den heissen Becken und Saunas des ältesten türkischen Bades von Budapest, dem Rudas Fürdő. Angenehm ausgeruht fuhren wir zum Bahnhof zurück, kauften uns ein kleines Abendessen ein und bezogen die zweite Nacht in Folge unsere gemütlichen Nachtzugabteile.

Sibiel / Săliște – 14.-16. August 2021

Nach einer mehr oder weniger erholsamen, da durch Grenzkontrollen unterbrochenen, Nacht kommen wir mit einer angenehmen Verspätung am immer noch frühen Morgen in Sibiu/Hermannstadt an. Das große Gepäck lassen wir am Bahnhof und begeben uns, von der Morgensonne beschienen, in Richtung Altstadt, um in einem schönen Café in der Unterstadt ausgiebig zu frühstücken. Anschließend verschaffen wir uns mit einem kleinen Stadtrundgang einen ersten Eindruck über die Stadt, unter anderem mit einem Besuch des Zibinsmarktes, wo von Produzenten aus der Region vor allem wunderbares Obst und Gemüse angeboten wird. Am Nachmittag steigen wir in einen geringfügig überheizten Zug, der uns nach Sibiel bringt – in diesem schönen Dorf werden wir die ersten zwei Nächte in Rumänien verbringen. In der Pension von Familie Ciortea gibt es auch Abendessen, und gleich am ersten Abend verzauberte uns die Gastgeberin Ana Sarmale mit ihren grossartigen, typisch rumänischen Krautwickeln mit Reis-Hackfleisch-Füllung. Besser konnte es gar nicht losgehen und alle gehen gesättigt und zufrieden ins Bett.

Am nächsten Morgen besuchen wir die orthodoxe Kirche im Dorf und erhaschen einen Einblick in den bestens besuchten Gottesdienst, ehe wir das benachbarte Hinterglasikonen-Museum besuchen und fachkundig von der Leiterin herumgeführt werden. Anschließend steht, unterbrochen vom Mittagessen im Restaurant, ein Spaziergang zum Kloster oberhalb des Dorfes an. Den Tagesausklang bilden der Souvenirkauf im Volkskunstladen und das wiederum hervorragende Abendessen von Frau Ciortea.

Am Montag verlassen wir Sibiel nach einem kleinen Frühstück schon wieder – der größte Teil der Gruppe fährt mit zwei Autos ins benachbarte Städtchen Săliște, die restlichen vier nehmen die Stunde Fußmarsch auf sich. In Săliște angekommen, machen wir uns sogleich auf zum allwöchentlichen Markt, der uns mit seinem geschäftigen Treiben und dem leckeren Geruch von Gegrilltem anlockt. Neben Gemüse, Fleisch und Alkohol, werden auf dem Markt auch Kleider und lebenden Tiere feilgeboten. Das Highlight des Besuches ist zweifellos – zumindest für alle Fleischessenden – der kurze Zwischenstopp bei einem Mici-Stand (eine rumänische Art von Čevape), wo wir uns ein grosses zweites Frühstück/Mittagessen gönnen. Per “Mikrobus” geht es anschliessend weiter nach Hermannstadt, dem historischen und politischen Zentrum der Siebenbürger Sachsen, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen werden.

Sibiu – 16.-18. August 2021

Am späten Nachmittag fuhren wir mit dem Bus an den südlichen Stadtrand ins Astra-Freilichtmuseum, wo es verschiedenste historische Gebäude aus den unterschiedlichen Regionen Rumäniens zu bewundern gibt. Die Reiseleitung versorgte die Teilnehmenden mit dem notwendigen Kontextwissen und übte sich in Kulturvermittlung, konnte aber leider auch nicht verhindern, dass ein Teilnehmer von einem Esel gebissen wurde (der Schreck war um einiges grösser als die “Wunde” und das Ereignis wurde mit Humor genommen). Im Restaurant des Freilichtmuseums kamen wir in den Genuss der traditionellen rumänischen Küche inklusive Champagner.

Nach dem sehr anstrengenden Programm der ersten Tage gönnte die Reiseleitung sich selbst und den Teilnehmenden einen freien Morgen. Am Nachmittag beschäftigten wir uns mit der religiösen Diversität von Siebenbürgen und besichtigten die rumänisch-orthodoxe Kathedrale, die Synagoge und schliesslich die Evangelische Stadtpfarrkirche. Im Anschluss fahren wir mit dem Zug ins nahegelegene Ocna Sibiului, wo wir in den warmen Salz- und Schlammseen baden und entspannen. Nach einer ordentlichen Stärkung mit ungarischem Lángos und Kürtőskalács geht es wieder zurück nach Sibiu. Am nächsten Vormittag steht nur ein kleiner Stadtbummel auf dem Programm, bevor wir Sibiu am frühen Nachmittag in Richtung Süden verlassen.

Cozia-Massiv / Călimănești – 18.-20. August

Wir fahren – für einmal leider nicht mit dem Zug, sondern per Bus – ins Alttal in den Thermalkurort Călimănești, der südlich der Karpaten liegt – unterwegs überschreiten wir also die Grenze von Siebenbürgen in die Walachei. Es ist schlechtes Wetter angesagt, das uns gegen Abend auch erwischt, aber immerhin schaffen wir es das auf einer Flussinsel gelegene Ostrov-Kloster zu besichtigen. Das eigentliche kulturelle Highlight des Abends ist aber die realsozialistisch anmutende Bewirtung im großen Speisesaal eines Kurhotels, inklusive eiskaltem Rotwein. Das Fazit der Reiseteilnehmenden war geteilt – von grenzenlosem Enthusiasmus bis “schlechtestem Essenserlebnis” war alles dabei.

Am Folgetag stehen wir früh auf, denn vor uns liegt der Aufstieg zur Cozia-Hütte, die auf 1573m Höhe liegt – das bedeutet für uns, 1300 Höhenmeter zurückzulegen!
Erster Wegpunkt ist das Stănișoara-Kloster, dessen Innenhof sich wunderbar als Pausenort anbietet und an dessen Brunnen die Flaschen mit frischem Gebirgswasser aufgefüllt werden. Die Wanderung ist steil und anstrengend, bietet uns allerdings immer wieder großartige Ausblicke ins Tal. Als wir am Nachmittag alle wohlbehalten bei der Hütte eintreffen, ist die Freude und der Stolz über das Geschaffte groß – nun wird erst einmal Bier auf der Sonnenterasse getrunken. Zum Abendessen serviert der Hüttenwirt Suppe und Schweinenacken oder Omelette, eine äusserst willkommene Stärkung nach einem anstrengenden Tag. Nach ausgiebigem Tee- und/oder Alkoholkonsum und Kartenspiel fallen wir alle erschöpft in die gewöhnungsbedürftigen Betten im Schlafsaal.

Am Morgen steht eine kleine Fraktion besonders früh auf, um sich den Sonnenaufgang auf den Bergen und das Nebelmeer unten im Tal anzusehen – der Ausblick belohnt das frühe Aufstehen zu 100 Prozent, jedoch lassen sich die vom Hüttenwirt angekündigten Gämsen leider nicht blicken. Nach dem Frühstück fährt ein großer Teil der Gruppe motorisiert ins Tal, während der Rest einen längeren, aber flacheren Weg bergab wählt, um sich dann ebenfalls mit dem Auto wieder in den Thermalkurort Căciulata im Alttal chauffieren zu lassen. Dort steht die Besichtigung des Klosters Cozia von 1388 sowie ein entspannender Badebesuch im berühmten Thermalwasser an. Am späten Nachmittag fahren wir mit einem Regionalzug zurück nach Sibiu, eine langsame, aber sehr schöne Reise dem Flusstal entlang, die wir größtenteils am offenen Fenster genießen.
Den letzen gemeinsamen Abend in Sibiu verbringen wir bei einem sehr guten Abendessen im Keller des Restaurants Crama Sibiană direkt in der Altstadt – laute Musik, festliche Stimmung und deftiges Essen bilden einen würdigen Abschluss unseres Rumänienaufenthaltes.

Rückreise über Mediaș / Wien – 21.-22. August

Heute ist schon unser letzter Tag in Rumänien – ein Teil der Gruppe besucht das ethnographische Museum, die anderen gehen nochmal in den museumseigenen Volkskunstladen, um traditionelle Andenken zu erwerben. Am Nachmittag heißt es Abschied nehmen von Hermannstadt – wir holen unser Gepäck aus dem Hotel und gehen zum Bahnhof, um erst einmal nach Mediaș zu fahren, wo wir noch gut zwei Stunden Zeit haben. In Mediaș hält sich die Entdeckungslaune bei den meisten in Grenzen – die lange Reise hat allmählich Spuren hinterlassen. Wir setzen uns in ein gemütliches Café in der Innenstadt, trinken Café und Limonade und schreiben Postkarten, bevor wir doch noch kurz zur pittoresken Evangelischen Margarethenkirche gehen. Rechtzeitig sind wir wieder am Bahnhof, um in den Nachtzug nach Wien einzusteigen und unsere Liege- bzw. Schlafabteile zu beziehen. Gemeinsam treten wir den Weg durch überfüllte Sitzwagen in den Speisewagen an, wo es Schweinekotelett oder Hühnerbrust mit Pommes Frites und Salat gibt, dazu verschiedene deutsche, österreichische und niederländische Biersorten, die wir nach und nach probieren, ehe der Speisewagen unterwegs Feierabend hat und abgehängt wird. Für uns das Signal, langsam ins Bett zu gehen.

Nach der Ankunft in Wien genießen wir noch ein wunderbares gemeinsames Frühstück in einem Café in Bahnhofsnähe und machen einen kurzen Spaziergng zum Schloss Belvedere. Nach und nach besteigen alle Teilnehmenden ihre Züge in Richtung Schweiz und Deutschland, ehe die letzten Reisenden Wien um 15.30 verlassen.

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